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Praxis·aktualisiert 7. November 2026·18 Min. Lesezeit

Wie schreibe ich meine Abschlussarbeit

Wie packe ich eine wissenschaftliche Arbeit, ohne den roten Faden zu verlieren?

Für Einsteiger
Wie schreibe ich meine Abschlussarbeit

Wie Sie eine Umfrage für Ihre Bachelor- oder Masterarbeit planen, testen, auswerten und im Methodenteil beschreiben. Mit Beispiel, Fehlern, Vorlage und FAQ.

Eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben ist nicht schwerer als einem Freund vom Urlaub zu erzählen. Man muss nur wissen, was man eingepackt hat.

Kurz gesagt: Wenn Sie für Ihre Bachelor- oder Masterarbeit eine Umfrage machen, beginnen Sie nicht mit dem Fragebogen, sondern mit der Forschungsfrage. Daraus leiten Sie Hypothesen und Fragen ab, testen den Fragebogen vor dem Start, erheben und werten die Daten aus und beschreiben jeden Schritt im Methodenteil so, dass andere ihn nachvollziehen können (Möhring und Schlütz 2019, S. 10-12). Wie das im Einzelnen geht, zeige ich weiter unten Schritt für Schritt.

Master Huts
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In dieser Video-Serie gibt Dr. Paul Marx nützliche Hinweise und Tipps zum Schreiben von Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten. Er erläutert die Vorgehensweise bei der Findung und Formulierung der Problemstellung, Literaturrecherche und dem eigentlichen Schreiben. Sehr nützlich für Studierende aller Fächer.

Am Ende eines jeden Studiums steht die Abschlussarbeit. Egal, ob Bachelor- oder Masterstudium, an der Universität oder Fachhochschule – jeder Student muss da durch, jeder muss seine Abschlussarbeit abgeben.

In der Abschlussarbeit muss man zeigen, dass man sein während des Studiums erlangtes fachliches und methodisches Wissen und die Fähigkeiten für die Bearbeitung einer wissenschaftlichen Fragestellung kompetent einsetzen und die Ergebnisse seiner Forschung zielgruppenorientiert präsentieren kann.

Leichter gesagt als getan! Für viele Studierende ist das Verfassen ihrer Abschlussarbeit eine echte Herausforderung. Besonders zu Beginn ist man oft orientierungslos. Es stellen sich viele Fragen: Wo fange ich an? Wie baue ich meine Arbeit auf? Was sind die relevanten Quellen? Wo finde ich sie? Was soll ich schreiben und wie viel? Wie lang müssen einzelne Kapitel und Abschnitte sein? Wie schreibe ich überhaupt? Was soll in die Gliederung unbedingt rein und was kann weggelassen werden? Wie formuliere ich so, dass meine Gedanken klug und sinnvoll klingen? Wann ist meine Arbeit gut und wann nicht? Diese Reihe von Fragen könnte man noch sehr lange fortsetzen…

In der Tat - das Verfassen der Abschlussarbeit ist oft ein schwieriges Unterfangen. Doch das muss es nicht sein! Denn eigentlich ist das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit nicht schwieriger als das Erzählen einer Geschichte, wie z.B. einem Freund vom Urlaub zu berichten. Es gibt zwar einige Anforderungen, die an wissenschaftliche Texte gestellt werden, um sie von einfachen Geschichten zu unterscheiden, aber diese sind nicht so hart, wie man vielleicht denkt.

Zugegeben, man muss schon Einiges über das Schreiben einer Abschlussarbeit wissen, damit sie gut gelingt. Genau das ist der Zweck dieses Posts – Ihnen zu erzählen, wie das geht.

Dafür haben wir unterstehend Videos für Sie vorbereitet, in denen Dr. Paul Marx erklärt, wie man eine Abschlussarbeit schreibt und all die Fragen beantwortet, die in diesem Zusammenhang typischerweise entstehen. Zwar nimmt er in seinen Videos darauf Bezug, wie man die Arbeiten bei ihm schreibt, doch seien Sie sich sicher, dass die absolute Mehrheit seiner Empfehlungen, Tipps und Antworten auf alle Abschlussarbeiten zutrifft. Übrigens gilt das für Seminararbeiten genauso.

Die Umfrage in der Bachelor- oder Masterarbeit: Schritt für Schritt

In meiner Videoreihe weiter unten erkläre ich, wie Sie eine Abschlussarbeit insgesamt angehen. Hier geht es um den Fall, dass Sie Ihre Daten mit einer Umfrage erheben. Eine empirische Bachelor- oder Masterarbeit mit Fragebogen durchläuft dieselben Schritte wie ein Forschungsprojekt, nur angepasst an Zeit und Geld (Möhring und Schlütz 2019, S. 10).

Betrachten wir ein Beispiel, das uns bis zum Methodenteil begleitet. Eine Studentin fragt sich, ob die Nutzung von Lern-Apps mit dem Kognitionsbedürfnis zusammenhängt. So nennt man die Freude am Denken (Möhring und Schlütz 2019, S. 15).

1. Forschungsfrage und Hypothesen

Die Forschungsfrage steuert den ganzen weiteren Ablauf. Sie ist immer eine Auswahl aus vielen möglichen Fragen, und diese Auswahl müssen Sie begründen (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 60). Daraus formulieren Sie Hypothesen, also überprüfbare Vermutungen (Möhring und Schlütz 2019, S. 11). Eine Hypothese zeigt Ihnen auch, welche Merkmale Sie erheben müssen (Malhotra und Birks 2007, S. 54). Unsere Studentin vermutet: Wer täglich Lern-Apps nutzt, hat im Mittel ein höheres Kognitionsbedürfnis als die übrigen.

2. Vom Begriff zur Frage

„Wie hoch ist Ihr Kognitionsbedürfnis?“ können Sie nicht fragen. Den Begriff versteht jeder anders, und die Antworten wären nicht vergleichbar (Möhring und Schlütz 2019, S. 15). Operationalisieren bedeutet, den Begriff messbar zu machen, indem Sie ihm konkrete Fragen zuordnen (ebd., S. 14-15). Nur einfache Tatsachen lassen sich direkt abfragen, etwa ob jemand täglich eine Lern-App nutzt.

Für viele Begriffe gibt es geprüfte Skalen. Für das Kognitionsbedürfnis etwa eine deutsche Kurzskala mit vier Aussagen, die man von 1 „trifft überhaupt nicht zu“ bis 7 „trifft ganz genau zu“ bewertet, zum Beispiel „In erster Linie denke ich, weil ich muss.“ (Beißert et al. 2015, nach Möhring und Schlütz 2019, S. 15). Solche Skalen finden Sie in Skalenhandbüchern und in der Datenbank ZIS von GESIS, für wissenschaftliche Studien kostenlos (ebd., S. 85). Auf meinen Vorlesungsfolien heißt diese Wahl „Baue oder klaue“ (Marx 2026, Folie 69). Gibt es für Ihr Thema noch keine Skala, sind eigene Fragen in Abschlussarbeiten oft nötig und legitim (Möhring und Schlütz 2019, S. 85). Wie Sie sie gut formulieren, zeige ich in Fragen formulieren, fertige Antwortskalen finden Sie in der Liste verbreiteter Likert-Skalen.

3. Der Analyseplan: die leere Tabelle zuerst

Wer ohne Einkaufszettel einkauft, kommt mit drei Sorten Chips nach Hause und hat die Milch vergessen. Beim Fragebogen ist der Analyseplan dieser Zettel. Malhotra und Birks (2007, S. 374) raten, vor dem Fragebogen leere Tabellen anzulegen, die zeigen, wie die Auswertung später aussehen wird. Für unsere Studentin genügt eine:

GruppeAnzahl (n)Mittelwert KognitionsbedürfnisStandardabweichung
nutzt täglich Lern-Apps
nutzt nicht täglich Lern-Apps

Für den geplanten Vergleich der Mittelwerte zweier unabhängiger Gruppen kommt ein t-Test für unabhängige Stichproben infrage (Marx 2026, Folie 192). Prüfen Sie vor der Auswertung, ob die Messwerte, die Unabhängigkeit der Beobachtungen und die Verteilungen bei den vorliegenden Gruppengrößen zum Verfahren passen. Jede inhaltliche Frage braucht einen begründeten Auswertungszweck. Prüfen Sie anhand der geplanten Tabellen, ob Sie dafür alle nötigen Angaben erheben (Malhotra und Birks 2007, S. 392).

4. Wie lang darf der Fragebogen für die Bachelorarbeit sein?

Die Versuchung ist groß, alles Interessante mitzufragen. Beschränken Sie sich auf das, was Ihre Forschungsfrage braucht, damit der Fragebogen nicht zu lang wird (Möhring und Schlütz 2019, S. 14). Bei wissenschaftlichen Online-Umfragen gelten 15 bis 20 Minuten als grobe Obergrenze. Ein kürzerer Fragebogen ist besser. Als Faustwert schaffen Befragte zwei bis drei Fragen pro Minute (ebd., S. 147, nach Theobald 2017). 30 Fragen dauern damit etwa 10 bis 15 Minuten (30 / 3 = 10 und 30 / 2 = 15). Schwierige Fragen dauern aber länger als einfache (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 107). Die tatsächliche Dauer messen Sie im Pretest.

5. Der Pretest

Ein neues Rezept kocht man einmal zur Probe, bevor die Gäste kommen. Beim Fragebogen heißt das Pretest, und auch in einer studentischen Arbeit ist er unerlässlich (Möhring und Schlütz 2019, S. 183). Auf meinen Folien steht dazu dreimal dasselbe Wort: „Pretesten! Pretesten! Pretesten!“ (Marx 2026, Folie 115).

Sie prüfen, ob alle die Fragen verstehen, ob Antwortmöglichkeiten fehlen, ob eine Frage als heikel empfunden wird und wie lange das Ausfüllen dauert (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 212). Online testen Sie außerdem Filter, Browser und Endgeräte (Möhring und Schlütz 2019, S. 184).

Nach meiner Erfahrung sollten es mindestens drei Personen sein, besser fünf bis zehn. Für einen Verständnistest, bei dem die Testpersonen bei schwierigen Fragen laut denken, können fünf bis zehn Personen schon ausreichen (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 213-214). Wollen Sie auch Dauer und Technik verlässlich prüfen, brauchen Sie mehr. Möhring und Schlütz (2019, S. 184) nennen für den Standard-Pretest je nach Größe der Hauptstichprobe zehn bis 50 Testpersonen, zusammengesetzt wie Ihre Stichprobe.

Noch wichtiger ist, wer testet. Kochen nur Köche zur Probe, merkt niemand, dass das Gericht für Kinder zu scharf ist. Die Testpersonen sollen aus derselben Grundgesamtheit kommen wie Ihre Befragten (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 214-215). Mitstudierende sind besser als gar kein Test, am besten aber testen Personen aus Ihrer Zielgruppe (Möhring und Schlütz 2019, S. 183). Ändern Sie danach viel, testen Sie noch einmal (Schumann 2019, S. 76).

6. Wen Sie befragen

Legen Sie vorher fest, über wen Sie etwas aussagen wollen, also Ihre Grundgesamtheit (Möhring und Schlütz 2019, S. 12). Posten Sie den Link in sozialen Netzwerken und befragen Studierende der eigenen Hochschule, entsteht eine Gelegenheitsstichprobe. Für Schlüsse auf alle Studierenden taugt sie nicht, für Zusammenhänge wie in unserem Beispiel kann sie trotzdem wertvoll sein (ebd., S. 32, 37). Wo Sie Teilnehmende finden, steht in Wo finde ich Probanden, wie viele Sie brauchen, in Berechnung der Stichprobengröße, und was die Art der Auswahl für Ihre Aussagen bedeutet, in Repräsentativität.

7. Information, Einwilligung und Datenschutz

Auf die erste Seite der Umfrage gehört, wer sie durchführt und wofür, also Ihre Hochschule und Ihre Abschlussarbeit. Außerdem die Dauer, der Hinweis, dass die Teilnahme freiwillig ist und jederzeit ohne Nachteile abgebrochen werden kann, wie die Antworten vertraulich behandelt werden und an wen man sich bei Fragen wendet (Möhring und Schlütz 2019, S. 113-114). Aus Sicht der Forschungsethik kann bei einer anonymen Umfrage ohne heikle Themen und ohne Risiken für die Befragten eine ausdrückliche Einwilligung entfallen, informieren müssen Sie trotzdem. Bei Minderjährigen kommt die Einwilligung der Erziehungsberechtigten hinzu (ebd., S. 2, 114). Ob das an Ihrer Hochschule auch rechtlich genügt, ist eine andere Frage. An immer mehr Einrichtungen muss eine Ethikkommission zustimmen (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 103). Fragen Sie früh nach, was an Ihrer Hochschule gilt.

Ich bin kein Jurist und kann Ihnen nicht sagen, was die Datenschutz-Grundverordnung für Ihre Umfrage im Einzelnen verlangt. Klären Sie das, auch die Frage der Einwilligung, mit Ihrer Betreuung und der Stelle für Datenschutz an Ihrer Hochschule. Grundlagen finden Sie im Artikel Datenschutz bei Online-Umfragen. In QUESTIONSTAR können Sie eine Umfrage so anlegen, dass die Antworten anonym erhoben werden.

8. Die Feldphase

Lassen Sie die Umfrage mindestens eine ganze Woche online (Möhring und Schlütz 2019, S. 144), damit auch Menschen teilnehmen können, die nur gelegentlich online sind. Bei einem offen verbreiteten Link wissen Sie nicht, wer ihn gesehen hat, eine Rücklauf- oder Ausschöpfungsquote lässt sich dann oft nicht berechnen (ebd., S. 35). Notieren Sie trotzdem, wann und wo Sie den Link verbreitet haben. Das brauchen Sie für den Methodenteil. Wie Sie den Aufruf formulieren, steht in Wo finde ich Probanden.

9. Daten bereinigen und auswerten

Bevor Sie rechnen, bereinigen Sie die Daten und dokumentieren jeden Schritt, denn der Grat zwischen Bereinigung und Manipulation ist schmal (Möhring und Schlütz 2019, S. 190). Prüfen Sie sehr schnell ausgefüllte Fragebögen, und entfernen Sie Variablen, über die man Befragte erkennen könnte, etwa IP-Adressen (ebd.). Fehlende Antworten kennzeichnen Sie als fehlend, umgekehrt formulierte Aussagen polen Sie um (ebd., S. 191).

Rechnen wir das durch. Die erste und die vierte Aussage der Kurzskala sind umgekehrt formuliert: Wer ihnen stark zustimmt, hat eher ein geringes Kognitionsbedürfnis (ebd., S. 15). Auf einer Skala von 1 bis 7 rechnen Sie eine solche Antwort als 8 minus Antwort. Kreuzt eine Befragte 6, 5, 4 und 2 an, wird aus der ersten Antwort eine 2 (8 − 6 = 2) und aus der vierten eine 6 (8 − 2 = 6). Ihr Wert ist der Mittelwert: (2 + 5 + 4 + 6) / 4 = 17 / 4 = 4,25.

Welcher Test passt, hängt von Hypothese und Skalenniveau ab (Marx 2026, Folie 192). Für Mittelwerte zweier unabhängiger Gruppen kommt ein t-Test infrage. Für Anteile, etwa ob Bachelor- und Masterstudierende gleich häufig täglich eine Lern-App nutzen, kommt ein Chi-Quadrat-Test in einer Kreuztabelle infrage. Prüfen Sie jeweils die Voraussetzungen, beim Chi-Quadrat-Test insbesondere die Unabhängigkeit der Beobachtungen und ausreichend große erwartete Zellhäufigkeiten. Mehr dazu in Der t-Test und Der Chi-Quadrat-Test.

Ein Signifikanztest prüft, wie gut die Daten mit einer Nullhypothese unter den Annahmen des gewählten Tests vereinbar sind. Ein kleiner p-Wert macht eine Stichprobe nicht repräsentativ und belegt nicht, dass sich das Ergebnis auf die Grundgesamtheit übertragen lässt. Für solche Schlüsse ist der Auswahlweg entscheidend (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 249). Bei einer Gelegenheitsstichprobe berichten Sie vor allem Fallzahlen, Anteile, Mittelwerte und Standardabweichungen je Gruppe sowie den Unterschied in Skalenpunkten. Ob Sie zusätzlich einen Test rechnen sollen, klären Sie mit Ihrer Betreuung. Wenn ja, benennen Sie die Testannahmen und die Grenzen der Auswahl. Der Test allein rechtfertigt keine Verallgemeinerung auf alle Studierenden.

Übrigens, in QUESTIONSTAR rechnen Sie t-Test, Korrelation, Regression und Kreuztabellen mit Chi-Quadrat direkt in den Berichten. Die Rohdaten exportieren Sie bei Bedarf nach SPSS oder Excel.

So rechnen Sie das mit Ihren Daten

Haben Sie für zwei unabhängige Gruppen nur Rangplätze statt metrischer Werte, passt der Mann-Whitney-U-Test (Marx 2026, Folie 192). Ihn rechnet QUESTIONSTAR nicht selbst. Exportieren Sie die Rohdaten nach SPSS oder R, oder verbinden Sie QUESTIONSTAR per MCP mit einem KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude und bitten ihn: „Vergleiche die Antworten auf Frage 7 zwischen den täglichen und den übrigen Nutzern von Lern-Apps (Frage 2) mit dem Mann-Whitney-U-Test und nenne die Fallzahl je Gruppe.“ Gerechnet wird dann vom Assistenten, nicht von QUESTIONSTAR.

Als personenbezogen markierte Fragen werden bei aktivierter Schutzfunktion nicht an den Assistenten übertragen. Nicht entsprechend markierte Antworten, insbesondere Freitexte, können trotzdem personenbezogene Angaben enthalten. Prüfen Sie vor der Übertragung, welche Antworten an den KI-Anbieter gehen und ob dessen Vertragsbedingungen für Ihre Daten geeignet sind.

Den Methodenteil schreiben

Erinnern Sie sich an den Urlaub vom Anfang? Im Methodenteil zeigen Sie, was Sie eingepackt haben. Der Maßstab für die Qualität einer empirischen Arbeit ist, dass andere jeden Schritt nachvollziehen können. Es gibt nie nur einen richtigen Weg, aber Ihren Weg müssen Sie offenlegen und begründen (Möhring und Schlütz 2019, S. 12).

In den Methodenteil gehören (Möhring und Schlütz 2019, S. 192, und Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 233, 247-248):

  • die Grundgesamtheit,
  • das Auswahlverfahren, also wie die Teilnehmenden gewonnen wurden,
  • Erhebungsmodus und Erhebungszeitraum,
  • die Fallzahl: begonnene, abgeschlossene und auswertbare Fragebögen, mit Gründen für Ausschlüsse,
  • die Ausschöpfungsquote, wenn sie sich berechnen lässt,
  • das Instrument mit den Fragen im Wortlaut und der Quelle jeder Skala, der Fragebogen selbst im Anhang,
  • der Pretest: mit wem, mit wie vielen, was Sie geändert haben,
  • die durchschnittliche Dauer,
  • die Auswertungsverfahren und ihre Begründung,
  • die Grenzen Ihrer Studie.

Benennen Sie die Grenzen sorgfältig und ausgewogen. Übertragen Sie die Ergebnisse nicht auf Gruppen, die Sie nicht befragt haben, aber untergraben Sie auch nicht unnötig das Vertrauen in Ihre Arbeit (Malhotra und Birks 2007, S. 728, und Marx 2026, Folien 260, 262).

Beispielabsatz

So könnte der Methodenteil unserer Studentin aussehen. Die Zahlen sind erfunden:

„Grundgesamtheit sind die Studierenden der Hochschule X. Die Teilnehmenden wurden über einen Link in studentischen Gruppen in sozialen Medien und in zwei Lehrveranstaltungen gewonnen. Es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe. Die Online-Befragung lief vom 4. bis 18. März 2026. Begonnen wurden 212 Fragebögen, abgeschlossen 168 (≈79 %). Sechs Fälle wurden nach Prüfung der Bearbeitungszeit und auffälliger Antwortmuster ausgeschlossen. Die Ausschlusskriterien sind im Anhang dokumentiert. Auswertbar sind 162 Fragebögen. Eine Ausschöpfungsquote lässt sich nicht angeben. Das Kognitionsbedürfnis wurde mit der deutschen Kurzskala von Beißert et al. (2015) gemessen, die Nutzung von Lern-Apps mit einer eigenen Frage. Ein Pretest mit sieben Studierenden, die bei schwierigen Fragen laut dachten, führte zu zwei Umformulierungen. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer betrug elf Minuten. Die beiden Gruppen wurden mit einem t-Test für unabhängige Stichproben verglichen. Da keine Zufallsauswahl vorliegt, sind die Ergebnisse als Tendenzen in der befragten Gruppe zu verstehen und lassen sich nicht auf alle Studierenden der Hochschule X übertragen.“

Weitere Formulierungen für die Grenzen einer Gelegenheitsstichprobe finden Sie im Artikel Repräsentativität.

Typische Fehler

  1. Inhaltliche Fragen ohne Auswertungszweck. Prüfen Sie bei jeder inhaltlichen Frage, welchen Beitrag sie zur Beantwortung Ihrer Forschungsfrage leistet (Malhotra und Birks 2007, S. 54, 392).
  2. Soziodemografie aus Gewohnheit. Fragen Sie Alter, Bildungsabschluss oder Wohnort nicht „ziel- und planlos“ ab, sondern begründet, und nutzen Sie dafür die Demografischen Standards von ASI, ADM und Statistischem Bundesamt (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 168).
  3. Kein Pretest, oder nur mit Personen außerhalb der Zielgruppe (Möhring und Schlütz 2019, S. 183, und Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 214-215).
  4. Die Gelegenheitsstichprobe heißt „repräsentativ“. Sie ist für keine bestimmbare Grundgesamtheit repräsentativ (Malhotra und Birks 2007, S. 412). Das Etikett allein sagt nichts, beschreiben Sie den Auswahlweg (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 248).
  5. Der Test passt nicht zu den Daten. Wählen Sie den Test nach Hypothese und Skalenniveau (Marx 2026, Folie 192), und geben Sie nicht alle Koeffizienten aus, die die Software liefert, sondern das passende Maß (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 249).

Mit Ihrer Betreuung vorher klären

Als Betreuer von Abschlussarbeiten habe ich erlebt, dass sich viele Missverständnisse in einem Gespräch vor der Erhebung ausräumen lassen. Mit den Daten in der Hand ist es dafür oft zu spät. Klären Sie vorher:

  • Forschungsfrage und Hypothesen,
  • wen Sie befragen, auf welchem Weg, und welche Grenzen das für Ihre Aussagen hat,
  • ob eine Ethikkommission zustimmen muss und was auf die erste Seite der Umfrage gehört,
  • welche Auswertungsverfahren erwartet werden, auch ob bei Ihrer Stichprobe Signifikanztests gewünscht sind,
  • wie ausführlich der Methodenteil sein soll und was in den Anhang gehört.

Bringen Sie zum Gespräch den Entwurf des Fragebogens und Ihre leeren Tabellen mit. Dann redet man über dasselbe.

Eine Vorlage für Ihre Abschlussarbeit

Damit Sie nicht mit einer leeren Seite beginnen, gibt es unter den Vorlagen von QUESTIONSTAR eine Standardumfrage für die Bachelor- oder Masterarbeit. Sie passen sie an Ihre Forschungsfrage an und ergänzen Ihre Skalen. Für den Pretest gibt es eine eigene Vorlage. Mit dem kostenlosen Tarif können Sie sofort beginnen. Was QUESTIONSTAR für Abschluss- und Forschungsarbeiten bietet, sehen Sie unter Akademische Forschung. Wie die Anmeldung über ein Hochschul-Login funktioniert, erfahren Sie unter Hochschul-SSO. Ob Ihre Hochschule diesen Zugang anbietet, klären Sie bei Ihrer Hochschule.

Häufige Fragen zur Umfrage in der Abschlussarbeit

Wie viele Teilnehmer brauche ich für meine Bachelorarbeit?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Sie hängt von Ihrer Forschungsfrage, dem Auswahlweg und der geplanten Auswertung ab. Für die gewünschte Genauigkeit eines Anteilswerts unter den dort genannten Annahmen helfen der Artikel Berechnung der Stichprobengröße und der Stichprobenrechner. Für den Mittelwertvergleich in unserem Beispiel planen Sie die Fallzahl dagegen mit einer Poweranalyse. Dafür benötigen Sie die erwartete Effektgröße, das Signifikanzniveau, die gewünschte Teststärke und das Größenverhältnis der Gruppen. Stimmen Sie die Planung mit Ihrer Betreuung ab.

Muss die Umfrage repräsentativ sein?

Das hängt von Ihrer Forschungsfrage und Ihrem Fach ab. Häufig genügt eine Gelegenheitsstichprobe, wenn Sie ihre Grenzen kennen und benennen. Mehr dazu im Artikel Repräsentativität.

Wie lange sollte der Fragebogen sein?

Als grobe Obergrenze gelten 15 bis 20 Minuten. Kürzer ist besser (Möhring und Schlütz 2019, S. 147). Die tatsächliche Dauer messen Sie im Pretest.

Darf ich für meine Bachelorarbeit eine Online-Umfrage verwenden?

Stimmen Sie die Erhebungsform mit Ihrer Betreuung ab. In studentischen Arbeiten fällt die Wahl aus Zeit- und Kostengründen häufig auf eine Online-Umfrage (Möhring und Schlütz 2019, S. 12). Sinnvoll ist sie vor allem bei Zielgruppen, die online gut erreichbar sind, und bei Jüngeren (ebd., S. 141). Ist Ihre Zielgruppe online schwer zu erreichen, besprechen Sie andere Wege mit Ihrer Betreuung.

Wie werte ich die Umfrage aus?

Nach Ihrem Analyseplan: bereinigen, beschreiben, Hypothesen mit dem passenden Test prüfen. Die Schritte stehen im Abschnitt Daten bereinigen und auswerten.

Wie beschreibe ich die Umfrage im Methodenteil?

Die Liste und einen Beispielabsatz finden Sie im Abschnitt Den Methodenteil schreiben.

Die Videoserie: Abschlussarbeit schreiben in acht Teilen

Viel Spaß beim Schauen!

Teil 1. Intro

Teil 2. Ziele der Arbeit und Notwendige Fähigkeiten

Teil 3. Vorgehensweise: Problemstellung

Teil 4. Vorgehensweise: Themenfindung

Teil 5. Vorgehensweise: Literaturrecherche

Teil 6. Struktur eines wissenschaftlichen Textes

Teil 7. Schreiben: Wie schreibe ich treffend und interessant

Teil 8. Formale Anforderungen

Links, auf die in den Videos verwiesen wurde: 1. EBSCO-Datenbank
2. VHB-Rating, früher VHB-JOURQUAL (Zeitschriftenranking)
3. Mendeley (Software für Literaturverwaltung)
Video in voller Länge: https://youtu.be/YMLxYzsgODE

Darüber hinaus möchten wir Sie auf die Facebook-Gruppen von Absolventen-Schmiede aufmerksam machen, in denen Sie Ihre Fragen über wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben mit den Gruppenmitgliedern und erfahrenen Mentoren interaktiv diskutieren können:

Wissenschaftliches Schreiben für Anfänger (Hausarbeiten)
Wissenschaftliches Schreiben für Fortgeschrittene (Abschlussarbeiten)
SOZIOLOGIE: Hausarbeiten & Abschlussarbeiten
BWL / VWL: Hausarbeiten & Abschlussarbeiten

Wir hoffen, dass die Informationen aus den Videos hilfreich für Sie waren. Und falls Sie eine empirische Seminar-, Bachelor-, oder Masterarbeit schreiben und dafür Daten mittels einer Umfrage sammeln und auswerten müssen, dann nutzen Sie doch QUESTIONSTAR - unser Tool für Online-Umfragen, mit dessen Hilfe Sie Online-Fragebögen erstellen, Online-Umfragen bzw. Datenerhebungen durchführen und Daten direkt im Tool auswerten können. Grafiken und Diagramme lassen sich mit QUESTIONSTAR in native Office-Formate exportieren und können dort bei Bedarf nachbearbeitet werden - ganz nützlich beim Schreiben eines Berichts oder einer wissenschaftlichen Arbeit. Die Rohdaten lassen sich ebenfalls in native Datenanalyseformate wie .csv, .xlsx (Excel) und .sav (SPSS) exportieren. Beim Export in SPSS werden die Variablenlabels automatisch übernommen.

Schlusswort

Eine Umfrage in der Abschlussarbeit ist viel Arbeit, aber nicht so schwer, wie es am Anfang aussieht. Wer die Schritte der Reihe nach geht, hat am Ende fast schon den Methodenteil. Sollten Sie beim Lesen auf Fehler oder Ungenauigkeiten gestoßen sein, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer Abschlussarbeit!

Dr. Paul Marx

Quellen

Jacob, R., Heinz, A. und Décieux, J. P. (2019). Umfrage. Einführung in die Methoden der Umfrageforschung (4. Aufl.). Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg. S. 60, 103, 107, 168, 212-215, 233, 247-249.

Malhotra, N. K. und Birks, D. F. (2007). Marketing Research: An Applied Approach (3rd European ed.). Harlow: Pearson. S. 54, 374, 392, 412, 728.

Marx, P. (2026). Grundlagen der Umfrageforschung. Foliensatz. Folien 69, 115, 192, 260, 262.

Möhring, W. und Schlütz, D. (2019). Die Befragung in der Medien- und Kommunikationswissenschaft (3. Aufl.). Wiesbaden: Springer VS. S. 2, 10-15, 32, 35, 37, 85, 113-114, 141, 144, 147, 183-184, 190-192.

Schumann, S. (2019). Repräsentative Umfrage. Praxisorientierte Einführung in empirische Methoden und statistische Analyseverfahren (7. Aufl.). Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg. S. 76.

Aktualisiert: 7. November 2026
Autor: Dr. Paul Marx
Dr. Paul Marx ist Gründer und Geschäftsführer von QUESTIONSTAR und war Professor für Marketing an der Universität Siegen.