Wie erstelle ich einen Online-Fragebogen?

10 Tipps zum Gestaltungsprozess einer Online-Umfrage

Die Abschlussarbeit steht an oder der Chef kommt ins Büro und gibt Ihnen die Aufgabe eine Online-Umfrage zu erstellen. Da sitzen Sie jetzt und fragen sich “Was nun?” oder “Wo soll ich anfangen?”- keine Panik, hier finden Sie Unterstützung. 

Schritt für Schritt bekommen Sie Tipps und Hinweise was es zu beachten gilt während des Erstellens einer Online- Umfrage und wie Sie ihren Fragebogen qualitativ aufwerten.

In diesem Artikel

Entstehungsprozess eines Online-Fragebogens
10 Tipps für Ihre Online-Umfrage
Jetzt Sie!

Entstehungsprozess eines Online- Fragebogens

Das Erstellen eines Online- Fragebogens kann anfangs wie ein kaum zu erklimmender Berg wirken. Wenn Sie aber erstmal erkennen, was in welcher Phase gefordert ist und worauf Sie sich konzentrieren sollten, dann gelangen Sie schneller an das Ziel – ihren Fragebogen. Und vorab schon mal der Hinweis – auch in diesem Prozess müssen ab und an Kompromisse eingegangen werden.

Allgemein durchläuft man 4 Phasen während des Entstehungsprozess, die eng miteinander verbunden sind. Der Prozess erfordert ein iteratives Durchlaufen der Phasen, um so stetig Verbesserungen zu erzielen.

Zu Anfang diagnostiziert man den Ursprung des Fragebogens, also gewissermaßen den Grund für das Erstellen der Online- Umfrage. Definieren Sie die Problemstellung hinter der Umfrage und formulieren Sie die Forschungsfragen aus. 

Arbeiten Sie, bestenfalls mit den Entscheidungsträgern zusammen, die Basis heraus, auf welcher die Umfrage erfolgen soll. Sind bereits Daten vorhanden? Welche Entscheidungen sind anhand der Umfrageergebnisse zu treffen?

Die Antworten auf diese Fragen geben ihnen Anhaltspunkte, quasi Koordinaten wo der Fragebogen hinführen soll.

 

Aus dieser Diagnose ermitteln Sie nun den Zweck des Fragebogens. Machen Sie sich klar, was mit der Umfrage erreicht werden soll. Brauchen Sie bestimmte Ergebnisse und Daten für die Entscheidungsträger und können diese überhaupt durch eine Umfrage gemessen werden?

Außerdem sollten Sie sich verdeutlichen, an wen Sie adressieren wollen, wer also die Zielgruppe der Umfrage wird und skizzieren Sie sowohl Merkmale der Befragungsgruppe, als auch Voraussetzungen, die der Befragte bei der Beantwortung ihres Fragebogens hat.

 

Interessante Merkmale der Zielgruppen können zum Beispiel der Wissens- und Bildungsstand sein, berufliche Funktionen und persönliche Daten wie Alter oder Einkommen.

 

Priorisieren Sie die ausgearbeiteten Aspekte nach ihrer Wichtigkeit und Messbarkeit. Dies legt den Grundstein für eine qualitative Datenerhebung und hilft ihnen nicht vom Weg abzukommen oder sich an unwichtigen Fragen aufzuhalten.

 

Gehen wir über zum inhaltlichen Teil des Online- Fragebogens. Formulieren Sie in dieser Phase ihren Fragebogen aus, das heißt Fragen generieren, die in ihrem Fragebogen vorkommen sollen. Legen Sie einfach los und sammeln Sie ihre Fragen!

Denken Sie dabei an die bisherigen Ergebnisse – welcher Zweck soll erfüllt werden und an wen werden die Fragen gestellt? Versetzen Sie sich in die Lage der Befragten, um passende Fragen kurz und verständlich zu formulieren. 

Weitere Tipps, worauf man bei der Formulierung und Strukturierung der Fragen achten sollte, finden Sie im weiteren Verlauf des Artikels.

 

Ist Ihre Fragensammlung fertig, so folgt das Analysieren der Fragen. Überprüfen Sie, ob durch ihre Fragen der Zweck der Umfrage erfüllt wird und Sie die gewünschten Antworten und Daten erhalten können. Vergewissern Sie sich, dass ihre Fragen auch mit statistischen Tests verbunden werden können, das heißt die Antworten sollten messbar und vergleichbar sein.

 

 

Holen Sie sich im Folgenden Tipps und Hinweise!

10 Tipps für Ihre Online- Umfrage

Während des Entstehungsprozess einer Online- Umfrage kommen einem in jeder Phase oftmals viele Fragen in den Sinn, man möchte an alles denken und schnell fühlt man sich überfordert. Im Folgenden finden Sie 10 Schritte und dazugehörige Fragen, die Sie sich stellen können, um die Übersicht zu behalten und tatsächlich eine Umfrage zu erstellen, die ihnen brauchbare Daten und Ergebnisse liefert. 

 

1. Ist eine Online- Umfrage die richtige Methode?

Diese Frage sollten Sie sich bereits zu Beginn gestellt haben. Es ist wichtig, dass man für die Zielerreichung die richtige Methode anwendet. Eine Online- Umfrage hilft Ihnen nicht, wenn Sie Mimik und Gestik, sowie Reaktionen von den Befragten auf gewisse Fragen erforschen möchten oder visuelle Beobachtungen machen wollen – kann jedoch für andere Themen, wie anonyme Befragungen oder Befragungen mit einer großen Stichprobe, sehr vorteilhaft sein.

 

2. Was ist der Zweck der Umfrage?

Bereits am Anfang ist es hilfreich für sich diese Frage zu beantworten. Eine präzise Zielformulierung hilft Ihnen dabei auf dem richtigen Weg zu bleiben und nicht abzuschweifen. 

Definieren Sie, welche Erkenntnisse die Umfrage bringen soll, für wen die Umfrageergebnisse gedacht sind und wer die Befragten sein werden. 

Präzisieren Sie die Grundlage der Umfrage – gibt es bereits Daten zu Ihrem Thema und es soll eine Datenentwicklung betrachtet werden, oder werden neue Daten erhoben, die eine Hypothese be- oder widerlegen sollen? 

 

Ist das Ziel formuliert und haben Sie für sich festgelegt, welche Erkenntnisse Ihre Umfrage liefern soll, dann gilt es den Inhalt der Umfrage in Angriff zu nehmen. 

 

3. Welche Fragen sollen beantwortet werden?

Überlegen Sie sich, welche Fragen gestellt werden sollen, welche Fragen können Ihnen die gewünschten Antworten und Daten liefern. 

Priorisieren Sie, welche Fragen wichtig sind, um den Zweck der Umfrage zu erfüllen und welche Fragen gegebenenfalls weggelassen werden können –  denn die Befragten möchten keine irrelevanten Fragen beantworten. 

Kurze Fragebögen erhöhen die Konzentration und Motivation der Befragten und somit auch die Qualität und Quantität der Umfrage. 

Versetzen Sie sich in die Lage eines Befragten und bewerten Sie ihre Fragen aus dessen Perspektive. 

 

4. Können und wollen die Befragten überhaupt auf die Frage antworten?

Dazu haben Sie zu Beginn die Zielgruppe definiert. Machen Sie sich nochmals deutlich, wer die Umfrage beantworten wird. 

Haben die Befragten überhaupt das notwendige Wissen zur Beantwortung oder dürfen gewisse Informationen überhaupt gegeben werden? 

Es ist wichtig, dass die Fragen an die Zielgruppe adressiert sind und von Relevanz für sie sind, damit die Befragten bei der Sache bleiben. 

Halten Sie den Aufwand zur Beantwortung der Fragen möglichst gering oder legitimieren Sie einen höheren Aufwand. 

Außerdem achten Sie auf die Themen oder Bereiche, nach denen Sie fragen. Sensitive oder zu persönliche Fragen könnten die Befragten abschrecken.

 

5. Welche Struktur sollten die Fragen haben?

Um die passende Struktur für die Fragen zu finden sollte man sich wieder den Zweck der jeweiligen Frage in den Sinn rufen. Wozu dient diese Frage? 

Verwenden Sie Bewertungsskalen, die jedoch innerhalb des Fragebogen in ihrem Aufbau und ihrer Struktur gleich bleiben sollten.

Vermeiden Sie Ja-/Nein-Fragen, um die Meinung der Unentschlossenen zu berücksichtigen und geben Sie daher die Möglichkeit die Frage neutral zu beantworten.

 

Zum Beispiel durch Antwortoptionen wie „weiß nicht“ oder „bin unentschlossen“ verfälschen Sie das Ergebnis nicht, da sich Unentschlossene nicht für eine Option entscheiden müssen. Geben Sie daher auch positive und negative Optionen zu einer Frage, also nicht nur „gut“ und „sehr gut“, sondern auch zum Beispiel „eher nicht gut“ oder „schlecht“.

 

Nutzen Sie geschlossene Fragen – geben Sie vorformulierte Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, um Meinungen der Befragten einfacher aufnehmen und analysieren zu können. Geben Sie bei Multiple- Choice- Fragen möglichst viele relevante Antwortmöglichkeiten, die Ihnen einfallen, vor und achten Sie darauf, dass auch hier  neutrale Antworten möglich sind. 

Gibt es zahlreiche Antwortmöglichkeiten, so teilen Sie diese auf mehrere Fragen auf. Konzentrieren Sie sich auf Fragen, die direkt dem Zweck und Ziel der Umfrage dienen und filtern Sie ihre Fragensammlung danach. 

 

Stellen Sie die Antworten in vertikalen Spalten dar, um eine übersichtliche und strukturierte Erscheinung zu generieren.

Ein Online-Umfragetool kann Ihnen bei der Wahl der Fragetypen helfen und Tipps geben, welcher Typ was bezweckt.

 

6. Wie formulieren Sie ihre Fragen?

Achten Sie darauf, dass die Wortwahl an die Gruppe der Befragten angepasst ist und vermeiden Sie Fachtermini, wenn die Umfrage beispielsweise an Fachfremde adressiert ist.

Die Formulierung sollte für den Befragten verständlich und eindeutig sein.

Halten Sie die Fragen kurz und präzise. Nutzen Sie Hinweise zu Fragen, damit keine Missverständnisse auftreten und das Ergebnis nicht verfälscht wird. Lassen Sie keine impliziten Annahmen zu.

In einer Frage sollte nur ein Gedanke aufgegriffen werden. Nutzen Sie dafür positive und negative Formulierungen, dies bringt Abwechslung für die Befragten.

Vermeiden Sie ihre persönliche Meinung oder Wertungen, sowie ein Übermaß an Zahlen und Daten in ihren Fragen. 

 

7. In welcher Reihenfolge sollten die Fragen angeordnet sein?

Die Reihenfolge der Fragen hat großen Anteil an der Qualität einer Umfrage. 

Starten Sie mit einfachen Fragen, die interessant sind und thematisch in die Umfrage einführen oder die eine Qualifizierung der Befragten identifizieren.

Gruppieren Sie ihre Fragen und springen Sie nicht zwischen Themen hin und her. Bauen Sie den Fragebogen logisch auf – gehen Sie von allgemeinen, einfachen und  demografischen Fragen über zu vertraulichen, sensitiven oder schwierigen Fragen. 

Verwenden Sie Verzweigungen beziehungsweise Verzweigungslogik in ihrem Fragebogen, so entsteht ein individueller Pfad durch den Fragebogen, da der Befragte basierend auf seiner Antwort zu einer bestimmten nächsten Frage geleitet wird. 

Sorgen Sie für eine höhere Konzentration und Motivation während der Beantwortung des Fragebogens und erhöhen Sie die Qualität und Quantität ihrer Datenerhebung.

 

8. Wie sollte der Fragebogen gestaltet sein?

Wie so oft zählt auch hier der erste Eindruck. Sorgen Sie für eine übersichtliche und strukturierte Gestaltung ihres Fragebogens. 

Nutzen Sie pro Frage eine eigene Seite oder fügen Sie Abschnitte ein. 

Nummerieren der Fragen hilft den Befragten bei der Orientierung. Sollten Sie mehrere Fragebögen erstellen und versenden, so nummerieren Sie auch diese. 

Ein optisch ansprechender Fragebogen und ein professionell wirkendes Layout erhöhen die Bereitschaft der Beantwortung.

 

9. Sind Sie mit ihrem Entwurf zufrieden und haben Sie an alles gedacht?

Gehen Sie ihren Entwurf durch – vom Groben ins Detail. Macht Ihr Layout einen professionellen Eindruck? Wirkt der Fragebogen strukturiert und übersichtlich? Haben Sie pro Seite eine Frage und Nummerierungen angefügt? 

Machen Sie sich einen eigenen Eindruck von ihrem Entwurf, holen Sie sich weitere Meinungen ein. 

 

10. Welche Probleme treten auf und sollte noch etwas geändert werden?

Letzter Schritt im Prozess der Erstellung einer Online- Umfrage ist das Testen. Stellen Sie alles auf den Prüfstand – von Optik über Fragenauswahl bis hin zur Wortwahl. 

Testen Sie zunächst stichprobenartig mit 15 – 30 Befragten, die zu der Zielgruppe gehören sollten und protokollieren Sie deren Anmerkungen und Hinweise. 

Versenden und Verbreiten des Fragebogens sollte auf die gleiche Weise erfolgen, wie es für die endgültige Befragung geplant ist.  Auch hier gilt es sich auf die Zielgruppe zu konzentrieren, ob ein Link in SocialMedia veröffentlicht wird, ein QR- Code generiert und verteilt wird oder ein Versand der Umfrage per Mail erfolgt. Erreichen Sie genau die Menschen ihrer Zielgruppe und sorgen Sie mit der richtig gewählten Weise der Verbreitung eine hohe Resonanz. 

Verbessern Sie ihren Fragebogen stetig weiter und märzen Sie Fehler und Probleme weiter aus. 

Jetzt Sie!

Hangeln Sie sich an den in diesem Artikel beschriebenen Schritte und Fragen entlang und erstellen Sie so ihren eigenen ansprechenden Online- Fragebogen. 

 

Viel Spaß!

 

Autor:
Cedric Keuper

 

Quellen für Recherche und Einarbeitung in das Thema 

Malhotra, Birks. Marketing Research, An Applied Approach. Updated Second European Edition. Prentice Hall Financial Times, an imprint of Pearson Education. 2006