QUESTIONSTAR
Praxis·aktualisiert 3. November 2026·21 Min. Lesezeit

Wo finde ich Probanden für meine Umfrage

Welcher Weg zu Probanden passt zu meiner Frage und meinem Budget?

Wo finde ich Probanden für meine Umfrage

Wo Sie Teilnehmende für Ihre Umfrage finden, wie viele Sie ansprechen müssen und was jeder Weg für Ihre Ergebnisse bedeutet. Mit Muster-Einladung.

Kurz gesagt: Probanden finden Sie für eine Seminar- oder Abschlussarbeit am schnellsten im eigenen Umfeld, in den Gruppen Ihrer Hochschule und über Ihre Betreuung. Für eine professionelle Umfrage laden Sie die Zielgruppe am besten persönlich aus Ihrer Kontaktliste ein oder kaufen Antworten bei einem Panelanbieter. Fast alle Wege ergeben eine Gelegenheitsstichprobe. Das ist oft in Ordnung, wenn Sie die Grenzen kennen und im Methodenteil nennen.

Die wichtigsten Wege im Überblick:

WegGeeignet fürAufwand oder KostenWichtigste Grenze
Hochschulgruppen und Betreuungstudentische Zielgruppenorganisatorischer Aufwandhäufig ähnliche Teilnehmende
Probandenbörsenbreit zugängliche studentische StudienZeit für Teilnahme oder Verbreitung, je nach PlattformSelbstselektion
Eigene KontaktlisteKunden, Beschäftigte, MitgliederEinladungen und NachfassenAbdeckung und Nichtantwortende
Fachverteiler und Schneeballspezialisierte oder seltene ZielgruppenSuche und persönliche Kontakteähnliche Netzwerke
Kommerzielle Panelsdefinierte Zielgruppen mit BudgetAngebot des AnbietersRekrutierung und Datenqualität prüfen
Wissenschaftliche Panelsgeeignete wissenschaftliche ProjekteAntrag und VorlaufAufnahmebedingungen

Der Fragebogen steht, das Tool für Online-Umfragen gefunden, die Umfrage ist gestartet und bereit Daten zu sammeln. Was nun? Woher bekomme ich die Probanden..?

Junge Frau arbeitet konzentriert am Laptop in einem Café
Photo by Brooke Cagle on Unsplash

Diese Fragen stellen sich alle Studierenden, die sich mit einer empirischen Arbeit befassen. Leider gestaltet sich die Probandenakquise für die meisten Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten schwieriger als gedacht. Mit diesem Aufsatz möchte ich Ihnen helfen, Probanden für Ihre Umfrageprojekte zu finden und so zum Erfolg Ihrer Studienarbeit beitragen. Unterstehend nenne und erläutere ich einige wichtige Quellen für die Probandenakquise.

Social Media

Persönliches Kontaktnetzwerk
Facebook-Gruppen Ihrer Hochschule
Gruppen für Probandenakquise

Probandenbörsen
Ihr Betreuer
Panelanbieter

Social Media

Den Link zum Online-Fragebogen in Social Media zu posten ist wahrscheinlich die erste Idee, die einem Umfragesteller in den Sinn kommt. In der Tat ist das wahrscheinlich die schnellste Möglichkeit, Probanden für Online-Umfragen zu gewinnen. Es gibt viele Wege, über Social Media Probanden zu akquirieren. Für Studierende sind jedoch die drei folgenden besonders gut geeignet:

Persönliches Kontaktnetzwerk
Facebook-Gruppen Ihrer Hochschule
Gruppen für Probandenakquise

Im Folgenden werden diese drei Möglichkeiten näher erläutert.

Persönliches Kontaktnetzwerk

Durch Posts in Social Media lässt sich vor allem das Potenzial des persönlichen Kontaktnetzwerks ausschöpfen. Ein Post in den sozialen Netzwerken, in denen Sie aktiv sind, genügt, um viele Ihrer Kontakte dort zu erreichen. Zudem sind Freunde und persönliche Kontakte sehr viel bereiter, Sie in diesem wichtigen Moment Ihres Lebens – bei der Erstellung Ihrer Qualifikationsarbeit – zu unterstützen und an Ihrer Online-Umfrage teilzunehmen, als es jemand anderes je sein wird.

Nutzen Sie deshalb Ihre persönlichen Beziehungen und posten Sie auf allen Social-Media-Plattformen, auf denen Sie registriert sind, Ihre Bitte um die Teilnahme an Ihrer Online-Umfrage.

Damit diese Bitte besser funktioniert, unterstreichen Sie in Ihrem Post, dass die Teilnahme Ihrer Freunde an der Umfrage für Sie persönlich wichtig ist und dass Sie dafür sehr dankbar wären – diese Argumente verstärken laut der Sozialforschung nachweislich die Hilfsbereitschaft und erhöhen somit die Teilnahmequote.

Sagen Sie auch, dass Sie für das Teilen Ihres Posts sehr verbunden wären (das ist wichtig, da ohne die Bitte zum Teilen nur wenige Menschen von sich aus auf die Idee kommen, dies zu tun).

Vergessen Sie nicht, den Link zu Ihrem Online-Fragebogen in dem Post zu veröffentlichen (solche peinlichen Fehler kommen nicht selten vor).

Facebook-Gruppen Ihrer Hochschule

Eine weitere Möglichkeit Umfrageteilnehmer zu finden, stellen die Facebook-Gruppen Ihrer Hochschule dar.

Viele Universitäten und Fachhochschulen, Fakultäten, Studienrichtungen und Einzelfächer haben eine eigene Facebook-Gruppe. Obwohl diese Gruppen hauptsächlich dem Austausch von Studierenden untereinander über relevante Themen ihres Hochschullebens dienen (z.B. Besprechen von Übungs- und Klausuraufgaben, Vermietung vom WG-Zimmer, Nachrichten über in einem Auditorium vergessene Sachen usw.), lassen sich über diese Gruppen durchaus auch Umfrageteilnehmer für Studienprojekte akquirieren.

Zwar sind Ihre Kommilitonen i.d.R. nicht so hilfsbereit wie es Ihre Freunde sind, sie wissen aber, dass vielen von ihnen ein ähnliches Bemühen um Probanden bevorsteht und füllen deshalb Ihren Fragebogen aus – in der Hoffnung, dass zu gegebener Zeit jemand auch ihre Fragebögen ausfüllen wird.

Zudem sind solche Gruppen i.d.R. Mitgliederstark – die Anzahl der Gruppenteilnehmer beträgt meistens mehrere Hundert bis mehrere Tausend. Wenn wir von einer Rücklaufquote von 3% bis 10% ausgehen (das ist ein Erfahrungswert aus unserer Praxis, keine allgemeine Regel), können wir sogar im Voraus die erwartete Teilnehmerzahl aus Postings in solchen Gruppen grob schätzen.

Falls Sie es also noch nicht gemacht haben, suchen Sie bei Facebook nach Gruppen Ihrer Hochschule und werden Sie Mitglied. Die Suchanfragen können z. B. lauten “TU München”, “Psychologie Uni Göttingen”, “BWL FH Hannover”, “Master Medienwissenschaften Weimar”, “Marketing Uni Siegen” u. ä. Falls Sie nichts gefunden haben, probieren Sie einfach eine andere Kombination von Hochschul-, Studienrichtung- und Fachbezeichnungen – Sie werden definitiv fündig.

Prüfen Sie auch, ob Ihr Studiengang eine Gruppe in einem anderen Netzwerk oder in einem Messenger hat.

Posten Sie anschließend in diesen Gruppen Ihren Aufruf zur Umfrageteilnahme und warten Sie ab. Im Regelfall kommen die meisten Probanden in den ersten drei Tagen nach dem Posting. Ab dann ist Schluss bzw. Sie können danach nicht mehr viel Rücklauf erwarten.

Nach meiner Erfahrung sollte die Umfrage trotzdem mindestens eine ganze Woche offen bleiben. Wer oft online ist, sieht Ihren Post in den ersten Tagen, wer nur gelegentlich vorbeischaut, kommt später. Und diese Menschen können anders denken als die Vielnutzer (Möhring und Schlütz 2019, S. 144). Posten Sie außerdem zu unterschiedlichen Zeiten, denn ein Aufruf am Freitagabend erreicht andere Mitglieder als einer am Montagmittag.

Trick, um den Rücklauf zu erhöhen:

In besonders aktiven Gruppen besteht das Problem, dass durch viele Beiträge Ihr Post im Gruppen-Newsfeed schnell nach unten rutscht. Dadurch sinkt die Reichweite des Posts - viele Gruppenmitglieder bekommen ihn erst gar nicht zu sehen und können deshalb nicht auf Ihren Aufruf reagieren.

In solchen Fällen können Sie sich folgenden Tricks bedienen: Sobald Sie merken, dass Ihr Post in der Gruppe zu weit nach unten gerutscht ist, schreiben Sie etwas in die Kommentare zu Ihrem Post (z.B. “up”). Ein neuer Kommentar kann die Sichtbarkeit erhöhen. Eine bestimmte Position im Feed ist damit nicht garantiert.

Bedenken Sie dabei: Das ist eine Manipulation des Gruppen-Feeds. Viele Gruppenadministratoren sehen so etwas nicht gern, und manche löschen den Beitrag dann ganz. Beachten Sie deshalb die Gruppenregeln, stimmen Sie erneute Hinweise gegebenenfalls mit der Moderation ab, und nutzen Sie den Trick sparsam.

Fazit: Durch Posting Ihres Aufrufs zur Teilnahme an Ihrer Online-Umfrage in Facebook-Gruppen Ihrer Hochschule können Sie – je nach Größe der Gruppen – Dutzende bis Hunderte Probanden für Ihre Online-Umfrage gewinnen.

Warnung: Man kann schnell auf die Idee kommen, seinen Aufruf zur Umfrageteilnahme in Facebook-Gruppen anderer Hochschulen zu posten. Dabei ist aber die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Moderatoren dieser Gruppen Ihren Beitrag als SPAM melden und Facebook Ihr Nutzerkonto eine Zeit lang deaktiviert. Im schlimmsten Fall kann Ihr Nutzerkonto für immer gelöscht werden. Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie in fremden Gruppen posten. Am besten sprechen Sie dies vorab mit dem Gruppenmoderator ab.

Gruppen für Probandenakquise

Ganz nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere“ sind in sozialen Medien Gruppen entstanden, die speziell der Suche nach Teilnehmenden für studentische Umfragen dienen.

M.a.W. besteht der Sinn dieser Gruppen einzig und allein in der gegenseitigen Unterstützung von Umfragestellern: Wer in einer solchen Gruppe seinen Aufruf zur Umfrageteilnahme postet, kann einen guten Rücklauf erwarten. Als Gegenleistung hat man die moralische Verpflichtung, andere Gruppenmitglieder durch die eigene Teilnahme an ihren Umfragen zu unterstützen.

Treten Sie also diesen Gruppen bei und posten Sie dort Ihren Aufruf zur Umfrageteilnahme.

Solche Gruppen entstehen und verschwinden schnell. Suchen Sie deshalb selbst, zum Beispiel mit Begriffen wie „Umfragen Studienarbeiten“, „Probanden gesucht“ oder „Umfrageteilnehmer finden“. Achten Sie darauf, dass in der Gruppe in den letzten Wochen noch gepostet wurde und dass die Regeln Umfragen erlauben. Je mehr Mitglieder eine Gruppe hat, desto mehr Antworten können Sie erwarten. Entscheidend sind neben der Mitgliederzahl aber auch die Aktivität der Gruppe, die Sichtbarkeit des Beitrags und die Passung zur Zielgruppe.

Fazit: Auf Facebook finden Sie Gruppen zur gegenseitigen Unterstützung bei Umfragen. Suchen Sie dort mit den genannten Begriffen selbst.

Übrigens: wenn Sie zum Erstellen Ihrer Umfrage QUESTIONSTAR benutzen, können Sie Ihre Online-Umfrage direkt aus dem Tool in Social Media veröffentlichen.

Probandenbörsen

Eine eigene Form der Probandenakquise stellen “Probandenbörsen” dar. Auf solchen Plattformen veröffentlichen Sie den Link zu Ihrer Umfrage und erreichen Menschen außerhalb Ihres eigenen Umfelds. Wie die Teilnahme gefördert wird, unterscheidet sich je nach Plattform.

SurveyCircle und PollPool fördern die gegenseitige Teilnahme an Studien. Bei SurveyCircle verbessern gesammelte Punkte die Position der eigenen Studie. Thesius bietet dagegen kostenlose Umfrage-Inserate und Gewinnmöglichkeiten für Teilnehmende. Beachten Sie die jeweiligen Bedingungen für die Einbindung Ihrer Umfrage.

Für Studierende ist die Grundnutzung kostenlos, manche Plattformen bieten zusätzlich kostenpflichtige Optionen. Deshalb lohnt es sich, einen Blick auf diese Plattformen bei der Suche nach Umfrageteilnehmern zu werfen:

Pollpool
Thesius
SurveyCircle

Fazit: Wenn Sie über Social Media nicht genügend Probanden gewinnen konnten, versuchen Sie es mit den “Probandenbörsen”. Diese können Ihnen potenziell viele (Dutzende bis Hunderte) Umfrageteilnehmer bringen.

Ihr Betreuer

Der Betreuer Ihrer Seminar-, Bachelor-, oder Masterarbeit hat i.d.R. eine hohe Reichweite und kann die Besucher seiner Vorlesungen und Seminare auf Ihre Umfrage aufmerksam machen. Auch wenn Lehrende die Umfrage empfehlen, bleibt die Teilnahme freiwillig (Möhring und Schlütz 2019, S. 113-114). Wer nicht teilnimmt oder abbricht, darf dadurch keinen Nachteil haben.

Deshalb sollten Sie Ihren Betreuer auf jeden Fall fragen, ob er Ihre Umfrage unter seinen Studierenden promoten kann. Nachfragen kostet nichts. Sie können nichts verlieren – im schlimmsten Fall bleiben Sie dort wo sie sowieso schon sind. Im besten Fall können Sie aber Hunderte an zusätzlichen Probanden gewinnen.

Was kann Ihr Betreuer konkret machen, um Probanden für Ihre Online-Umfrage zu akquirieren? Im Grunde muss er nicht mehr tun, als den Link zu Ihrer Umfrage oder den entsprechenden QR-Code unter seinen Studierenden zu verbreiten. Dafür kann er den Link und/oder den QR-Code

– im passenden Bereich seiner Webseite veröffentlichen,
– in seinen Vorlesungen und Seminaren zeigen,
– über den E-Mail-Verteiler verbreiten,
– ggf. in seiner Facebook-Gruppe posten.

Credit Points als Anerkennung sind möglich, wenn Ihre Hochschule das vorsieht (Möhring und Schlütz 2019, S. 114). Heikle Themen eignen sich für Abschlussarbeiten eher nicht (ebd., S. 3).

Panelanbieter

Natürlich gibt es Situationen, in denen oben aufgeführte Tipps zur Rekrutierung von Probanden nicht zum gewünschten Ergebnis führen – z.B. wenn Sie Personen mit bestimmten demographischen Charakteristiken in Ihrem Sample haben müssen, die Sie über die “üblichen” Kanäle nicht erreichen können.

In solchen Fällen können Sie sich an sog. Panelanbieter wenden. Diese Anbieter sind auf die Verwaltung und Pflege einer hohen Anzahl von Probanden spezialisiert (manche Panels enthalten mehrere Hunderttausend Probanden). In ihren großen Datenbanken lassen sich Probanden mit sehr spezifischen Charakteristiken in der erforderlichen Anzahl finden.

Diese Probanden – genaugenommen die Ausfüllung des Fragebogens durch die Probanden – kann man bei Panelbetreibern käuflich erwerben. Je spezifischer die Charakteristiken von Probanden, desto teurer ist ein Proband; je mehr Probanden man benötigt, desto günstiger ist ein Umfrageteilnehmer. Die genauen Preise werden meistens individuell für jedes Umfrageprojekt ausgehandelt, dabei gibt es relativ viel Spielraum zum Feilschen. Wie hoch am Ende der zu zahlende Betrag sein wird, ist Ihrem Verhandlungsgeschick überlassen. Die Kosten hängen von Zielgruppe, Fragebogenlänge und benötigter Fallzahl ab. Lassen Sie sich projektbezogene Angebote erstellen.

Höchstwahrscheinlich werden Sie in Ihrem Studium keine Panelanbieter benötigen, es sei denn Ihr Betreuer legt großen Wert auf die Datenqualität und stellt Ihnen ein Budget für die Probandenakquise zur Verfügung. Das ist an sich ein Zeichen der hohen Bedeutung Ihrer Arbeit und des starken Vertrauens Ihres Betreuers in Ihre Leistung.

Ein Panel liefert schnell Antworten, aber nicht automatisch eine repräsentative Stichprobe. Viele Online-Panels bestehen aus Menschen, die sich selbst angemeldet haben, oft wegen der Prämien, und eine Zufallsstichprobe daraus ist zunächst nur für das Panel repräsentativ (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 92-93). Wie gut ein Panel ist, hängt deshalb stark vom Anbieter ab (Möhring und Schlütz 2019, S. 145-146). Fragen Sie vor der Bestellung:

  • Wie werden die Mitglieder angeworben: aktiv, zum Beispiel per Telefon oder Brief, oder durch Selbstanmeldung im Internet?
  • Was bekommen die Mitglieder für eine Teilnahme?
  • Wie oft wird ein Mitglied befragt, und wie lange bleibt es im Panel?
  • Wie erkennt der Anbieter Teilnehmende, die sich nur durchklicken?
  • Nach welchen Merkmalen können Sie quotieren, und wie aktuell sind diese Angaben?

Die Rekrutierung wird häufig nicht offengelegt (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 92).

Die Liste der Anbieter, die deutschsprachige Online-Umfrageteilnehmer zu erschwinglichen Preisen anbieten können, ist relativ kurz (Stand 3. November 2026):

Dynata
Bilendi (respondi)
Toluna
YouGov

Eine längere Liste der in Deutschland tätigen Unternehmen, die Probanden-Panels anbieten, finden Sie auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung e.V..

Weitere Wege, Teilnehmer für Ihre Umfrage zu finden

Neben den Wegen oben gibt es vier weitere.

Verteiler, Newsletter, Foren und Vereine

Einen Aufruf können Sie auch in Newslettern, Mailinglisten und Foren veröffentlichen (Möhring und Schlütz 2019, S. 145). Denken Sie an die Fachschaft, den Newsletter Ihres Studiengangs, ein Forum zu Ihrem Thema oder einen Verein, dessen Mitglieder zu Ihrer Zielgruppe passen. Bitten Sie die Person, die den Verteiler betreut, den Aufruf selbst zu verschicken. Menschen nehmen eher teil, wenn sie die Person hinter der Bitte kennen (ebd., S. 44).

Die eigene Kontaktliste: persönlich einladen

Sie haben eine Liste der Menschen, die Sie befragen wollen, etwa Kundinnen und Kunden, Mitglieder oder Beschäftigte, und laden jede Person mit einem eigenen Link ein. Der Vorteil: Sie wissen, wen Sie eingeladen haben. Sie können zufällig auswählen, Mehrfachteilnahmen verhindern, ausrechnen, wie viele geantwortet haben, und gezielt erinnern (Möhring und Schlütz 2019, S. 143-144). Bei Mitarbeiterbefragungen sagen Sie in der Einladung klar, wie die Anonymität der Antworten gewahrt bleibt.

Übrigens, in QUESTIONSTAR verschicken Sie persönliche Einladungen per E-Mail, und Erinnerungen gehen nur an diejenigen, die noch nicht geantwortet haben.

Nichtkommerzielle Panels

Neben den kommerziellen Anbietern gibt es Panels für die Wissenschaft, etwa das SoSci Panel und das GESIS Panel (Möhring und Schlütz 2019, S. 145). Beim SoSci Panel durchläuft die Studie eine wissenschaftliche Prüfung. Planen Sie laut Betreiber etwa sechs Wochen für Review und Überarbeitung ein. Es handelt sich um einen nicht-repräsentativen Pool freiwilliger Teilnehmender. Das GESIS Panel.pop beruht dagegen auf einer Zufallsauswahl. Erhebungen für Abschlussarbeiten sind dort nur über die Betreuung möglich und wegen des langen Vorlaufs meist unpraktisch (FAQ des GESIS Panel.pop).

Crowdworking-Plattformen

Auf Crowdworking-Plattformen erledigen Menschen kleine bezahlte Aufgaben, auch Umfragen. Das geht schnell. Kosten und Datenqualität hängen vom Anbieter, der Zielgruppe, der Fragebogenlänge und den Qualitätskontrollen ab. Auch hier können unaufmerksame oder unbrauchbare Antworten auftreten. Legen Sie vorab Kriterien für die Qualitätsprüfung fest, etwa unplausibel kurze Bearbeitungszeiten und widersprüchliche Angaben. Stimmen Sie diesen Weg für eine Abschlussarbeit vorher mit Ihrer Betreuung ab.

Was jeder dieser Wege für Ihre Stichprobe bedeutet

Betrachten wir ein Beispiel. Sie posten den Link in Ihrem Profil in einem sozialen Netzwerk und bitten ums Teilen. Es antworten vor allem Menschen in Ihrem Alter, aus Ihrem Studiengang und Ihrer Stadt, und deren Freunde ähneln wieder Ihnen. Das hat einen Grund: Wer über eine Empfehlung in die Stichprobe kommt, ähnelt der empfehlenden Person stärker, als bei einer zufälligen Auswahl zu erwarten wäre (Malhotra und Birks 2007, S. 414).

Fast alle Wege in diesem Artikel ergeben deshalb eine Gelegenheitsstichprobe: Wer teilnimmt, ist leicht erreichbar, nicht zufällig ausgewählt (Möhring und Schlütz 2019, S. 32). Für Schlüsse auf alle Studierenden taugt sie nicht, für Zusammenhänge und erste Ideen kann sie wertvoll sein (ebd., S. 37, und Malhotra und Birks 2007, S. 412). Was das für Ihren Methodenteil heißt, erkläre ich im Artikel Repräsentativität: Wann ist eine Umfrage repräsentativ?.

So wird Ihre Stichprobe vielfältiger

Wählen Sie die ersten Personen so, dass sie sich unterscheiden: jemand aus einer anderen Fakultät, eine berufsbegleitend Studierende, ein Bekannter aus einer anderen Stadt. Möhring und Schlütz (2019, S. 145) beschreiben genau das als Variante des Schneeballverfahrens.

Fragen Sie außerdem am Ende: „Wie sind Sie auf diese Umfrage aufmerksam geworden?“ Übrigens, in QUESTIONSTAR vergleichen Sie dann zunächst in einer Kreuztabelle, welche Studiengänge über welche Kanäle vertreten sind. Auch den Chi-Quadrat-Test rechnet QUESTIONSTAR. Er setzt unter anderem unabhängige Beobachtungen und ausreichend große erwartete Zellhäufigkeiten voraus, und beim Schneeballverfahren ist die Unabhängigkeit oft fraglich. Einen ursächlichen Effekt des Rekrutierungskanals zeigt der Test nicht. Kommt aus einem Kanal eine Gruppe in großer Zahl, begrenzen Sie sie mit einer Quote als Höchstzahl an Antworten. Fehlende Gruppen holt eine Quote allerdings nicht herbei.

Rückwärts rechnen: Wie viele Menschen müssen Sie erreichen?

Die Zahl der nötigen Antworten liefert der Stichprobenrechner: wie viele Antworten Sie brauchen. Hier geht es um den nächsten Schritt: Wie viele Menschen müssen Ihren Aufruf sehen? Bei einer Hochschulgruppe mit 2.000 Mitgliedern ergibt der Erfahrungswert von oben eine grobe Planungsspanne von 60 bis 200 Antworten. Eine gemessene Antwortwahrscheinlichkeit für Ihre Gruppe ist das nicht. Bei einem offenen Post wissen Sie nicht, wer ihn sieht, und eine echte Rücklaufquote lässt sich nicht berechnen (Möhring und Schlütz 2019, S. 35, 144).

Durchgerechnet: von 750 Personen zu 150 Antworten

Ein Beispiel mit angenommenen Zahlen: Eine Studentin möchte 150 vollständige Antworten von Studierenden, die schon ein Praktikum gemacht haben. Sie nimmt an, dass 40 % derer, die die Umfrage öffnen, ein Praktikum gemacht haben, und dass davon 50 % bis zum Ende ausfüllen. Malhotra und Birks (2007, S. 443) teilen dafür die gewünschte Zahl an Antworten durch das Produkt beider Anteile:

150 / (0,4 × 0,5) = 150 / 0,2 = 750

SchrittAnteilPersonen
Öffnen die Umfrage750
Haben ein Praktikum gemacht40 %300
Füllen bis zum Ende aus50 %150

Bei diesen angenommenen Anteilen sind aus 750 Öffnungen im Mittel 150 vollständige Antworten zu erwarten. Planen Sie eine Reserve ein. Nehmen wir für die Größenordnung an, dass 3 % bis 10 % der Gruppenmitglieder den Link überhaupt öffnen. Dann braucht die Studentin Gruppen mit zusammen 7.500 bis 25.000 Mitgliedern (750 / 0,10 = 7.500 und 750 / 0,03 = 25.000). Das ist eine Annahme, keine Erfahrungszahl. Die Rechnung behandelt die Mitgliedschaften als unterschiedliche Personen. Gehört dieselbe Person mehreren Gruppen an, überschätzt die Summe der Gruppengrößen die zusätzliche Reichweite.

Mit persönlichen Einladungen wird die Rechnung überprüfbar, weil Sie wissen, wie viele Menschen Sie eingeladen haben. Wie Sie von der Stichprobengröße auf die Zahl der Einladungen kommen, rechne ich im Artikel Berechnung der Stichprobengröße vor.

Der Aufruf: was Menschen zum Mitmachen bringt

Ob jemand auf den Link klickt, entscheidet vor allem Ihr Aufruf (Möhring und Schlütz 2019, S. 113). In einen guten Aufruf gehört außerdem:

  • Ihre Hochschule als Absender, denn wissenschaftliche Umfragen erreichen eine höhere Teilnahme als kommerzielle (ebd., S. 46).
  • Ein Satz zum Thema und dazu, warum gerade die Meinung des Lesers zählt.
  • Eine realistische Dauer in Minuten.
  • Der Hinweis, dass die Teilnahme freiwillig und anonym ist. Die Zusicherung von Anonymität kann Verweigerungen senken, vor allem bei heiklen Themen (ebd., S. 46).
  • Ihr Name und eine E-Mail-Adresse für Rückfragen (ebd., S. 113-114).
  • Eine einfache Frage, die der Leser sofort für sich beantworten kann. Sie erhöht die Bereitschaft zur Teilnahme (ebd., S. 45).

Muster-Einladung

Ein Beispiel zum Anpassen. Prüfen Sie die Dauer im Pretest. Übernehmen Sie Aussagen zur Anonymität und zur getrennten Speicherung nur, wenn Ihre Einrichtung diese tatsächlich gewährleistet.

Betreff: Schon ein Praktikum gemacht? 8 Minuten für meine Bachelorarbeit

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

haben Sie schon ein Praktikum gemacht? Dann brauche ich Ihre Erfahrung. Für meine Bachelorarbeit an der [Hochschule] untersuche ich, wie Studierende ihre Erfahrungen im Praktikum bewerten.

Teilnehmen können aktuell eingeschriebene Studierende, die bereits ein Praktikum absolviert haben. Die Befragung ist bis zum [Datum] geöffnet.

Die Umfrage dauert etwa 8 Minuten. Die Teilnahme ist freiwillig, und Sie können jederzeit abbrechen. Ihre Antworten sind anonym und werden nur für meine Arbeit ausgewertet. [Informationen zur Studie und zum Datenschutz]

Unter allen, die mitmachen, verlose ich drei Büchergutscheine im Wert von jeweils [Betrag] Euro. Ihre E-Mail-Adresse dafür geben Sie am Ende in einem getrennten Formular an. Sie wird nicht mit Ihren Antworten gespeichert.

Zur Umfrage: [Link]

Kennen Sie jemanden, der auch schon ein Praktikum gemacht hat? Dann leiten Sie den Link gern weiter. Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Bei Fragen erreichen Sie mich unter [E-Mail-Adresse].

Vielen Dank!
[Ihr Name]

In vielen Studierendengruppen duzt man sich. Schreiben Sie den Aufruf dann in der Du-Form. Auf der Endseite Ihrer Umfrage bedanken Sie sich, bitten noch einmal ums Weiterleiten und wiederholen den Link (Möhring und Schlütz 2019, S. 116). Wer gerade fertig ist, hat den Link noch vor Augen.

QUESTIONSTAR stellt keine eigenen Teilnehmenden-Panels bereit. Sie erstellen hier den Fragebogen und verteilen ihn über die von Ihnen gewählten Rekrutierungswege.

Kleine Anreize, aber richtig

Eine kleine Anerkennung kann helfen. Für eine Abschlussarbeit sind drei Formen üblich:

  • Eine Verlosung, etwa von Gutscheinen. Erfassen Sie die Kontaktdaten dafür in einem separaten Fragebogen, damit die E-Mail-Adresse nicht mit den Antworten gespeichert wird (Möhring und Schlütz 2019, S. 116).
  • Die Ergebnisse. Bieten Sie an, sie nach Abschluss der Arbeit zu schicken (ebd.).
  • Credit Points bei Umfragen unter Studierenden, wenn Ihre Hochschule das vorsieht (ebd., S. 114).

Der Anreiz darf nicht davon abhängen, wie jemand antwortet, das verstößt gegen das Gerechtigkeitsprinzip (ebd., S. 3). Sein Wert sollte angemessen sein, denn ein unangemessen hoher Wert kann Widerstand auslösen. Ob Anreize der Qualität der Antworten schaden, ist umstritten (ebd., S. 47). Was bei einer Verlosung datenschutzrechtlich zu beachten ist, lesen Sie im Artikel Datenschutz bei Online-Umfragen.

Was weiter? Auswertung und Berichte

Nachdem Sie die Daten gesammelt haben, müssen Sie diese statistisch auswerten, Ergebnisse in Form von Tabellen und Diagrammen aufbereiten und sie in Ihre Studienarbeit integrieren.

Dabei helfen Ihnen statistische Software-Pakete wie SPSS, STATA, SAS, MS Excel, JASP, PSPP oder R (die drei letztgenannten sind kostenlos). Sie laden Ihre gesammelten Daten in Ihr Lieblingsprogramm hoch, führen dort Ihre Analysen durch und erstellen dabei die notwendigen Diagramme und Tabellen.

Diese Schritte können Sie sich in den meisten Fällen aber sparen, wenn Sie Ihre Online-Umfrage mit QUESTIONSTAR durchführen. Datenauswertung, Erstellen von Diagrammen, Tabellen und Grafiken ist nämlich Teil dieses Tools. M.a.W. für viele Standardauswertungen brauchen Sie mit QUESTIONSTAR keine zusätzliche Auswertungssoftware. Für Verfahren, die QUESTIONSTAR nicht selbst rechnet, etwa eine Faktorenanalyse, exportieren Sie die Rohdaten nach SPSS oder R oder rechnen sie über die MCP-Anbindung mit einem KI-Assistenten. Als personenbezogen markierte Fragen werden bei aktivierter Schutzfunktion nicht an den Assistenten übertragen. Nicht entsprechend markierte Antworten, insbesondere Freitexte, können trotzdem personenbezogene Angaben enthalten. Prüfen Sie vor der Übertragung, welche Antworten an den KI-Anbieter gehen und ob dessen Vertragsbedingungen für Ihre Daten geeignet sind. Diagramme, Tabellen und Grafiken lassen sich in alle gängigen Office-Anwendungen exportieren. Sie brauchen sie nur per Copy-and-Paste in den Text Ihrer Arbeit übertragen. Besser noch: die Grafiken und Diagramme werden im nativen Office-Format exportiert, sodass sie die Verbindung zu den unterlegten Daten behalten. D.h. Sie können nicht nur das Aussehen von Diagrammen und Grafiken anpassen, sondern die ihnen zugrunde liegenden Daten bei Bedarf bearbeiten – alles ohne Word oder Powerpoint zu verlassen.

Der letzte Absatz war natürlich unverdeckte Werbung für QUESTIONSTAR. Aber mal ehrlich: sind das nicht tolle Vorteile und nützliche Features?! ;-)

Häufige Fragen zur Suche nach Probanden

Wo finde ich Probanden für meine Bachelorarbeit?

Beginnen Sie im eigenen Umfeld, in den Gruppen Ihrer Hochschule und bei Ihrer Betreuung, die den Link in Lehrveranstaltungen weitergeben kann. Welcher weitere Weg wofür taugt, zeigt die Übersicht am Anfang. Welche Grenzen jeder Weg hat, steht im Abschnitt Was jeder dieser Wege für Ihre Stichprobe bedeutet.

Wie viele Probanden brauche ich für meine Bachelorarbeit?

Das hängt davon ab, was Sie aussagen wollen. Für die Schätzung von Anteilen bei einfacher Zufallsauswahl können Sie mit dem Stichprobenrechner planen. Bei einer Gelegenheitsstichprobe garantiert die berechnete Zahl keine bestimmte Fehlerspanne. Wollen Sie Gruppen vergleichen, braucht jede Gruppe genug Antworten (Möhring und Schlütz 2019, S. 35-36).

Darf ich meine Kommilitonen befragen?

Ja, das ist in studentischen Arbeiten sehr verbreitet. Verzerren kann das Ergebnis vor allem, wenn Ihre Kommilitonen über das Thema mehr oder anders Bescheid wissen als andere (Möhring und Schlütz 2019, S. 32). Eine Umfrage zur Statistikangst unter Studierenden, die gerade gemeinsam die Statistikklausur bestanden haben, sagt wenig über alle Studierenden. Nennen Sie diese Grenze im Methodenteil.

Wie finde ich Teilnehmer für eine Umfrage, wenn die Zielgruppe selten ist?

Mit dem Schneeballverfahren, wenn Sie mindestens eine Person aus der Gruppe kennen (Jacob, Heinz und Décieux 2019, S. 87-88). Sie bitten diese Person, den Link an andere aus der Gruppe weiterzugeben. So finden Sie seltene Merkmale leichter, die Stichprobe bleibt aber nicht zufällig (Malhotra und Birks 2007, S. 414). Rechnen Sie außerdem mit mehr Zeit (ebd., S. 422).

Schlusswort

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesem Aufsatz nützliche Tipps geben konnte, die Ihnen bei der Suche nach Probanden für Ihre Online-Umfragen helfen.

Wie Sie die Abschlussarbeit insgesamt angehen, von der Problemstellung bis zum Schreiben, zeige ich in meiner Videoreihe Wie schreibe ich meine Abschlussarbeit. Was QUESTIONSTAR für Abschluss- und Forschungsarbeiten bietet, sehen Sie unter Akademische Forschung.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer Studienarbeit!

Dr. Paul Marx

Quellen

Jacob, R., Heinz, A. und Décieux, J. P. (2019). Umfrage. Einführung in die Methoden der Umfrageforschung (4. Aufl.). Berlin/Boston: De Gruyter. S. 87-88, 92-93.

Malhotra, N. K. und Birks, D. F. (2007). Marketing Research: An Applied Approach (3rd European ed.). Harlow: Pearson. S. 412, 414, 422, 443.

Möhring, W. und Schlütz, D. (2019). Die Befragung in der Medien- und Kommunikationswissenschaft (3. Aufl.). Wiesbaden: Springer VS. S. 3, 32, 35-37, 44-47, 113-116, 143-146.

Aktualisiert: 3. November 2026
Autor: Dr. Paul Marx
Dr. Paul Marx ist Gründer und Geschäftsführer von QUESTIONSTAR und war Professor für Marketing an der Universität Siegen.